Hintergrund
Der Übergang von der Schule in die Berufsbildung
Der Übergang von der Schule in die Berufsbildung ist eine wichtige Schwelle bei der Integration der Jugend in Wirtschaft und Gesellschaft. Jährlich beginnen in der Schweiz etwa 75’000 Schulabgänger/innen eine Lehre. Nicht alle Jugendlichen starten jedoch erfolgreich in die Berufswelt. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund mit Diskriminierungen bei der Lehrstellensuche und deutlich schlechteren Bildungschancen rechnen müssen.
Selektionsverfahren als Herausforderung
Jugendliche, die nach der obligatorischen Schule eine Berufsausbildung absolvieren wollen, müssen sich meist selbst aktiv um eine Lehrstelle bemühen. Sie müssen einen Betrieb finden, der bereit ist, sie auszubilden. Auf der anderen Seite stehen die Lehrbetriebe vor der Aufgabe, aus einer Vielzahl von Bewerbungen diejenigen auszuwählen, die ihren Ansprüchen genügen. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen stellt das Bewerbungsverfahren eine zunehmend unübersichtliche Herausforderung dar. Den Berufsbildner/innen in den Lehrbetrieben fällt hierbei eine wichtige Selektionsaufgabe zu: Sie bestimmen, wer aufgrund welcher Kriterien eine Lehrstelle erhält.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Schweizer Jugendliche haben unter gleichen Voraussetzungen und mit gleichen Qualifikationen eine viermal höhere Chance, eine Lehrstelle zu finden, als das für ausländische bzw. fremdsprachige Jugendliche der Fall ist. Wer Mehmet oder Afrim heisst, wird häufig nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, selbst bei gleichen oder gar besseren Leistungen.
Heutige Selektionsprozesse führen im Ergebnis – ohne Absicht und ohne bösen Willen – zu Verzerrungen und Chancenungleichheiten auf dem Lehrstellenmarkt. Diese stellen unerwünschte Hindernisse für die Integration von Jugendlichen in Wirtschaft und Gesell-schaft dar und erschweren eine optimale Nutzung der verfügbaren Bildungsressourcen.
Anonymisierte Bewerbungen – eine Verbesserung für alle?
Ein Pilotversuch im Kanton Genf hat für den Bereich des Arbeitsmarktes gezeigt, dass anonymisierte Bewerbungen die Chancen von ausländischen Bewerber/innen auf ein Bewerbungsgespräch tatsächlich erhöhen. Mit dem Projekt «smart selection» sollen Erkenntnisse dieses Verfahrens für den Lehrstellenmarkt im Kanton Zürich gewonnen werden. Als zentrales Instrument ist eine Online-Bewerbungsplattform vorgesehen, auf welcher sich sowohl Lehrstellensuchende wie auch Lehrbetriebe registrieren und anonym nach dem passenden Angebot respektive der passenden Nachfrage suchen können.
